Presseberichte


ERBACH/RAUENTHAL - Für Bürgermeister Patrick Kunkel war es „psychologisch wichtig“, dass der erste Spatenstich in Erbach und Rauenthal kurz hintereinander am selben Tag stattfand. Am kommenden Montag beginnt die Baufirma Heiler mit den Arbeiten für einen komplett neuen Sportplatz im Erbacher Hinterboden und die Firma Strabag mit dem Umbau des Rauenthaler Hartplatzes in einen Kunstrasenplatz. Das Geld für das Rauenthaler Vorhaben stand eigentlich schon bereit, der Spatenstich hätte eigentlich schon vor einiger Zeit stattfinden können. Aber es dauerte länger, bis das Projekt in Erbach eingefädelt war: Der alte Sportplatz soll als Wohnbaugebiet mit 22 Grundstücken verkauft werden.

Nicht nur für Fußballer

Aus der Baulandveräußerung wird der neue Platz in Erbach finanziert und es soll noch etwas übrig bleiben zum Schuldenabbau. Für beide Vorhaben in Erbach und Rauenthal, so Kunkel, seien insgesamt 2,3 Millionen Euro veranschlagt. Das Gelände im Hinterboden hat die Stadt von der Familie zu Knyphausen und vom Wasserverband erworben. Das Vereinsheim, für das der SV Erbach als Bauherr auftritt, soll rund 400 000 Euro kosten. Die Stadt will sich mit jeweils 75 000 Euro für den SV Erbach und die TGS Erbach beteiligen, wobei die Turngesellschaft nach wie vor den Plan verfolgt, gegenüber der Erbacher Halle ein eigenes Gebäude zu bauen.

Beide Projekte, für die es eine Förderung durch das Land Hessen gibt, so Kunkel, seien nicht nur für die Vereine wichtig, sondern auch für die Stadtentwicklung und die dörfliche Struktur. Ingmar Jung, Vorsitzender des SV Erbach, wies darauf hin, dass es nicht nur eine Anlage für Fußballer sei. Die Investition lohne sich für die soziale Infrastruktur. Sportvereine böten jungen Menschen die Chance, in einer Gruppe aktiv zu sein und seien die beste Alternative zur Playstation.

Das neue Sportfeld, so schlug Jung vor, könnte „gegen einen kleinen Beitrag“ durchaus nach einem Eltviller Unternehmen benannt werden. In unmittelbarer Nachbarschaft schließt sich in Richtung Eltville das Gelände der Firma Jean Müller an. Der Platz wird in Nord-Süd-Richtung angelegt, das Vereinshaus soll westlich im Bereich einer alten Brunnenanlage entstehen. Geplant sind zwei Basketball-Freiflächen, ein Beachvolleyballfeld, Wurfanlagen und vier Kunststofflaufbahnen. Die Verkehrsanbindung ist über Sudetenstraße und Mühlweg vorgesehen. Der letzte Abschnitt soll noch bis in Höhe des Vereinsheims asphaltiert werden. Vertreter des SV Erbach und der TGS Erbach sollen den Sportstättenbau begleiten, dessen Fertigstellung spätestens bis Ende Mai geplant ist.

Im Oktober auf Kunstrasen

Schneller soll es in Rauenthal gehen. Im Oktober könnte der Kunstrasen bespielbar sein. Bis dahin trägt die Spielgemeinschaft Rauenthal/Martinsthal ihre Heimspiele in Kiedrich aus. Dass das Vorhaben, das vor fünf Jahren vom SV Rauenthal angestoßen wurde, jetzt realisiert wird, ist insbesondere dessen Vorsitzendem Reinhold Sturm zu verdanken, der bei Politik und Stadtverwaltung ständig gebohrt habe. „Du bist ein guter Vorsitzender“, sagte daher der Bürgermeister.

Sturm hob hervor, dass der Aufschwung der SG Rama, die in die Gruppenliga aufgestiegen ist und als einzige in dieser Liga noch einen Hartplatz besitzt, nun weitergehen könne. Außergewöhnlich sei, dass es eine dritte aktive Mannschaft gebe. Außer der B- und C-Jugend sind alle Jugendmannschaften besetzt. Bei so einem großen Spielerkader, so deutete Sturm mit einem Schmunzeln schon das nächste Projekt an, müsse eigentlich das Vereinsheim erweitert werden. Zukunftsmusik ist auch noch die Anlage eines umzäunten Bolzplatzfeldes im oberen Bereich der Sportplatzanlage. Der Verein könnte dafür den angesparten Betrag in Höhe von 30 000 Euro nutzen.

Der alte Hartplatz, auf dem der SV Erbach die kommende Saison noch bestreiten wird, soll mit dem Rauenthaler Tennenbelag noch einmal aufgebessert werden. Und die Rauenthaler laden zur Feier des Baubeginns am kommenden Montag ab 18.30 Uhr zu einem kleinen Gaudi-Turnier ein.

Damit das Erbacher Projekt endgültig in trockenen Tüchern ist, steht noch der Satzungsbeschluss aus, mit dem der alte Sportplatz zum Baugebiet erklärt wird. Dann hofft die Stadt auf einen gewinnbringenden Verkauf.

Wenn es nach dem Zeitplan von Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) geht, können im Juli parallel die Bauarbeiten für die neue Erbacher Sportanlage im „Hinterboden“ und für den Kunstrasenplatz in Rauenthal beginnen. Das Regierungspräsidium habe ihm signalisiert, dass die Stadt mit einer wasserrechtlichen Genehmigung für ein Baugebiet auf dem alten Sportplatz in Erbach rechnen könne. Dieser liegt im amtlich festgesetzten Überschwemmungsgebiet des Rheins. Um das Gelände zu bebauen, bedarf es eines Ausgleichs des durch die Bebauung verloren gegangenen Retentionsraums. Für das neue Wohngebiet können rund 13 000 von 20 000 Quadratmetern genutzt werden.

Im Gleichschritt

Kunkels Zeitplan sieht vor, dass das Stadtparlament Anfang Juni in einer Sondersitzung den Bebauungsplan für den neuen Erbacher Platz als Satzung beschließt. Für den Rauenthaler Kunstrasen soll die Ausschreibung vom 27. April bis Ende Mai dauern. Mitte Juni könnte der Magistrat den Auftrag vergeben.

Die Stadt verfolgte die ganze Zeit die Strategie, dass mit dem Bau in Rauenthal, wo die Voraussetzungen schon längst geschaffen waren, erst begonnen werden soll, wenn Gewissheit besteht, dass auf dem Sportgelände an der Jahnstraße in Erbach eine Wohnbebauung möglich ist. Mit dem Verkauf dieses Baulands will Eltville die neuen Kunstrasenanlagen finanzieren. Für beide Projekte zusammen sind 2,5 Millionen Euro veranschlagt, wobei auf Rauenthal ein Anteil von rund 462 000 Euro entfällt, der schon früher bereitgestellt war.

Das Baugebiet werde 22 Grundstücke für Einfamilien- und Doppelhäuser und Flächengrößen zwischen 500 und 600 Quadratmetern umfassen, so Kunkel. Um den Höchstpreis zu erzielen, will die Stadt die Baugrundstücke selbst verkaufen. Die Vorgehensweise werde noch in den Gremien abgestimmt, erklärte der Bürgermeister. Es müsse mindestens ein Preis von 330 Euro pro Quadratmeter erzielt werden. Erster Stadrat Peter Scheu (Grüne) wies darauf hin, dass das Erdgeschoss der Häuser knapp über dem Niveau liegen müsse, das bei einem hundertjährlichen Hochwasser erreicht werde.

Wenn das Stadtparlament Anfang Oktober den Bebauungsplan beschließe, so der Zeitplan, könne danach die Vermarktung beginnen.

Der Rauenthaler Kunstrasenplatz könnte schon im Oktober fertiggestellt sein, die neue Sportanlage in Erbach im Frühjahr 2016. Der SV Erbach werde Bauherr des neuen Sportlerheims sein, das auch die Turngesellschaft Erbach nutzt, berichtete der Bürgermeister. Beide Vereine sollen von der Stadt jeweils 70 000 Euro erhalten. Noch keine Lösung gibt es für den Wunsch der Turngesellschaft, die für ihre vielen Angebote zusätzliche Trainingsräume braucht und am alten Standort eigentlich eine Erweiterung plante. Am liebsten hätte sie in der Nähe der Erbacher Halle eine zusätzliche kleine Halle. Die Stadt werde die Nutzungsmöglichkeiten in der großen Sporthalle optimieren und befinde sich in weiteren Gesprächen mit dem Verein, so Kunkel.

ELTVILLE - (bad). Der Magistrat hat Mittel für weitere Gutachten für den neuen Erbacher Sportplatz im „Hinterboden“ nordwestlich von Jean Müller freigegeben, berichtete Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU). Die Stadt wird ein Schallgutachten, ein archäologisches Gutachten sowie ein landespflegerisches Gutachten in Auftrag geben. Parallel sollen auch die mit einem Sperrvermerk versehenen 462 000 Euro für den Kunstrasen auf dem Sportplatz in Rauenthal freigegeben werden. Im Dezember sei die Ausschreibung geplant, Baubeginn sei voraussichtlich im Frühjahr, erläuterte Kunkel.

Ingesamt stehen im Haushalt 2014 rund 800 000 Euro für die Entwicklung des Baugebiets alter Sportplatz in Erbach und den Bau des neuen Sportplatzes, erklärt der Bürgermeister. Mit dem Geld, das die Stadt erlöst, indem sie den alten Erbacher Sportplatz zum Baugebiet macht, sollen die Kunstrasenplätze in Erbach und Rauenthal finanziert werden. Weil der alte Erbacher Sportplatz im Überschwemmungsgebiet liegt, kann nur die nördliche Hälfte bebaut werden. Auf der südlichen Fläche sind Parkplätze vorgesehen.

Mit dem Verkauf der Grundstücke auf dem alten Sportplatz in Erbach rechnet der Bürgermeister im Sommer 2015. Dann könne auch mit dem Bau des neuen Sportplatzes im „Hinterboden“ begonnen werden. Allzu lange könne die Stadt damit auch nicht mehr warten, beide Fußballplätze seien kaputt. Die Stadt werde dort jetzt aber nichts mehr investieren, so Kunkel.

ERBACH/RAUENTHAL - (bm). Von einem „kleinen Fortschritt“ sprach Reinhold Sturm nach der jüngsten Sitzung des Eltviller Stadtparlaments. Aber der Vorsitzende des SV Rauenthal hat immer noch keine Gewissheit, wann der Rauenthaler Tennen- in einen Kunstrasenplatz umgewandelt wird. Dabei könnte die Stadt das Projekt in Rauenthal schon in diesem Jahr in Angriff nehmen.

Es steht ein Anspardarlehen in Höhe von 400 000 Euro zur Verfügung, im Haushalt sind für die Sportplätze 800 000 Euro bereitgestellt, die der Hauptausschuss freigeben kann. Der „kleine Fortschritt“ besteht laut Sturm darin, dass die Stadtverordneten jetzt den Entwürfen zum Neubau eines Sportplatzes im „Hinterboden“ in Erbach und zum Ausbau des Rauenthaler Platzes grundsätzlich zugestimmt haben.

Wie berichtet, soll der nördliche Teil des jetzigen Sportplatzes in Erbach als Wohnbaugebiet genutzt werden. Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) erwartet eine Einnahme in Höhe von „vier Millionen Euro plus x“.

SPD will „belastbare Kosten“

Freilich liegt die Fläche im Überschwemmungsgebiet, was beim Bau der Häuser berücksichtigt werden muss. Das Regierungspräsidium hat der Stadt eine Genehmigung in Aussicht gestellt, wenn sie den Nachweis bringt, dass bei Hochwasser kein Retentionsraum verloren geht. Der Bau des neuen Sportplatzes im Erbacher „Hinterboden“ wird – ohne Vereinsheim – auf 1,6 Millionen Euro veranschlagt, der Kunstrasenplatz in Rauenthal auf 435 000 Euro. Im Stadtentwicklungsausschuss waren für Erbach noch eine Verlängerung der Auslauffläche und ein Kugelstoßring in die Planung mit aufgenommen worden.

Auf Antrag der SPD soll die Stadt eine „belastbare Kostenschätzung“ für die Verkehrserschließung vorlegen. Dann müsse so bald wie möglich eine Entscheidung darüber fallen, ob in Rauenthal im kommenden Jahr gebaut werden könne, sagte Matthias Hannes (SPD). Sein Fraktionskollege Ralf Bachmann hält es für wichtig, dass in die Planungen auch die Gebäude mit aufgenommen werden.

Der Rauenthaler Stadtverordnete Rainer Scholl (FDP) hält den ersten Spatenstich noch in diesem Jahr für möglich. Bürgermeister Patrick Kunkel (CDU) wollte sich nicht festlegen. Es gebe bislang die Vorgabe, „die beiden Plätze parallel zu entwickeln“ und das Geld aus dem Verkauf in Erbach auch für Rauenthal zu verwenden. Ludwig Jung (CDU) meinte, Rauenthal könne erst dann gebaut werden, „wenn wir sicher wissen, dass Erbach umgesetzt werden kann“.

Wer finanziert Sportlerheim?

Offen ist, in welchem Umfang sich die Stadt an der Finanzierung des neuen Vereinsheims beteiligt. Rainer Scholl wies darauf hin, dass beim Umzug vom alten Eltviller Sportplatz an den Wiesweg nur die Umkleidekabinen bezahlt worden seien. Das Sportlerheim selbst sei Sache des SV Erbach. Der Erbacher Stadtverordnete Franz-Josef Bär (Grüne) erinnerte daran, dass der Verein sein Domizil völlig allein aufgebaut habe. Für die Bäume, die in Rauen-thal für den Kunstrasenplatz fallen müssen, forderte Monika Fiala (Grüne) Ersatz.

Helmut Moser (Bürgerliste) stimmte gegen die Sportplatz-Projekte. „Wenn man kein Geld hat, darf man es nicht machen.“

Archivfoto: RMB/Heinz Margielsky 

Bei der Spielgemeinschaft „RaMa“ ist vor jedem Fußballspiel auf dem heimischen Platz Bibbern angesagt. Nicht etwa, weil die Spieler des SV Rauenthal und des SV Martinsthal kein Vertrauen in ihre sportliche Leistungsfähigkeit hätten. Vielmehr ist der Rauenthaler Tennenplatz in einem so miserablen Zustand, dass es laut Reinhold Sturm, Vorsitzender der Spielgemeinschaft „RaMa“ und Vorsitzender des SV Rauenthal, auf ein Glücksspiel hinausläuft, ob der Schiedsrichter das Spiel überhaupt anpfeift. Morgen gegen Orlen wird es wieder so sein.

Den Aktiven nicht zumutbar

Nach dem langen Winter sei der Platz so steinig und löchrig („und immer wieder kommen neue Steine hoch“), dass die Verletzungsgefahr groß und die Spielqualität unter dem Minimum sei. „Das sind keine akzeptablen Bedingungen für die Aktiven“, ein Kunstrasenplatz müsse dringend her, klagt Sturm, der seinem Frust diese Woche auch bei der Bürgerversammlung in Rauenthal Luft machte.

Von Mitte November bis Mitte April sei der Platz unbespielbar gewesen, sagt Sturm, den noch eine Weiteres verärgert: Die Eltviller Vereine hätten das Training auf ihren Plätzen „vereitelt“, sodass man nach Walluf habe ausweichen und dort natürlich jeden Tag bezahlen müsse.

Das Eltviller Stadtparlament hat Ende vergangenen Jahres zwar einen Grundsatzbeschluss gefasst, dass der Rauenthaler Tennenplatz in einen Kunstrasenplatz umgewandelt werden soll. Wie Bürgermeister Patrick Kunkel während der Bürgerversammlung erläuterte, ist die Umsetzung jedoch an die Entwicklung eines geplanten Baugebietes in Erbach gebunden: Rund 12 000 Quadratmeter des dortigen Sportplatzes sollen Baugrund werden, und aus dem Verkaufserlös will die Schutzschirmkommune Kunstrasenplätze am Standort „Boden/Mühlweg“ in Erbach und in Rauenthal finanzieren. Bis zum Abschluss der Bauleitplanung dürfte jedoch noch einige Zeit ins Land gehen, meinte Bauamtsleiter Rüdiger Ziethmann. Bis erste Verkaufserlöse in der Stadtkasse klingeln, noch weit mehr.

Vorfinanzierung prüfen

Sturm bezweifelt, dass die Rauenthaler und Martinsthaler Fußballer so lange warten können, zumal bereits junge Spieler in andere Kommunen abwanderten. „Jetzt noch mal mindestens 40 000 Euro in eine Sanierung des Tennenplatzes zu investieren“, das sei „ökonomischer Irrsinn“, meint Sturm. 500 000 Euro würde nach seinen Voranfragen ein Kunstrasenplatz kosten, und der SV-Chef könnte sich vorstellen, dass der Verein, der bereits rund 30 000 Euro dafür gesammelt hat, gemeinsam mit den Martinsthalern, Spendern und Sponsoren eine Vorfinanzierung auf die Beine stellt.

Um zu klären, ob und wie das auch im Hinblick auf die politische Beschlusslage gehen könnte, traf man sich gestern Morgen im Eltviller Rathaus zu einem Sondierungsgespräch. Sturms Fazit: „Auch Bürgermeister Kunkel sieht, dass in Rauenthal vorrangig was getan werden muss. Wir wollen im Gespräch bleiben und ausloten, welche Vorfinanzierungsmöglichkeiten es geben könnte.“

Bei allen Diskussionen, so der Sportvereinschef, dürfe auch nicht vergessen werden, dass der SV Rauenthal eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe wahrnehme, Jugendliche eingliedere, „in manchen Fällen sogar vor sozialem Abgleiten bewahrt.“